Simulatortraining der DRF Luftrettung – eine Erfolgsgeschichte

Seit 2004 bietet die DRF Luftrettung Notärzten und Notfallsanitätern die Möglichkeit, an mobilen Patientensimulatoren Notfälle zu trainieren. Keine andere Luftrettungsorganisation kann in Europa eine so große Erfahrung im Bereich der medizinischen Simulation aufweisen. Bisher wurden rund 2.400 Teilnehmer geschult*. Die Bilanz: positiver nachhaltiger Lerneffekt, großer praktischer Nutzen für den Einsatzall- tag und Optimierung der Kommunikation im Team.

Ziel der Simulatortrainings ist es, die Crews optimal auf ihre Einsätze vorzubereiten und die Zusammenarbeit im Team zu verbessern. Die Kurse finden dezentral an den jeweiligen Stationen statt. So ist die Trainingsumgebung so eng wie möglich an die Bedingungen im Einsatzalltag angelehnt. „Die medizinische Ausrüstung ist den Crews vertraut und die Teams arbeiten so zusammen wie in Wirklichkeit. Die Trainingseinheiten finden in realistischer Umgebung, z.B. in einer nachgestellten Wohnraumsituation, im Rettungswagen, Schockraum, im Rettungshubschrauber und im Ambulanzflugzeug statt. Das unterstützt die Relevanz der Szenarien und maximiert den Lernerfolg“, erläutert Dr. Marcus Rudolph Medizinischer Ausbildungsleiter der DRF Luftrettung.

Allgemeines Konzept

Das eigens von der DRF Luftrettung und dem Tübinger Institut für Patientensicherheit und Teamtraining InPASS entwickelte Konzept der  mobilen Simulatortrainings ist auf eineinhalb Tage angelegt. Der erste Tag beinhaltet eine Einführung in das Fehlermanagement, die Human Factor Forschung, die Sicherheitsaspekte in der Medizin, die Prinzipien des CRM (Crew Ressource Management) und Incident Reporting. Darüber hinaus werden in Kleingruppen Situationen besprochen, die die Teilnehmer als kritisch erlebt haben.

„Es wird bei der Ausbildung und Training innerhalb der Medizin immer noch zu wenig beachtet, dass ca. 70% der Zwischenfälle ihre Ursache im Bereich der menschlichen Faktoren haben“ erläutert Dr. Marcus Rall, Leiter von InPASS. So wurden auch die Trainingsschwerpunkte gesetzt. Am zweiten Tag wird an den Simulatorpuppen realitätsnah trainiert. Die Simulationspuppen agieren wie richtige Patienten. Über den Computer steuert das Instruktorenteam von DRF Luftrettung und InPASS die klinischen Symptome, wie z.B. Herzrhythmusstörungen, bei den High-Tech-Puppen ein. Über ein Mikrophon spricht der Instruktor als „Stimme“ des Patienten mit dem trainierenden Team. Es ist außerdem möglich, den Puppen intravenöse Zugänge zu legen, sie künstlich zu beatmen oder andere invasive Maßnahmen durchzuführen. An der Simulationspuppe, die einen erwachsenen Patienten darstellt, werden beispielsweise traumatologische Notfälle, die Versorgung von Herzinfarktpatienten und Notfälle mit Atemwegskomplikationen trainiert.

An dem Simulations-Baby, das seit 2006 eingesetzt wird, können sehr praxisnah zum Beispiel schwere Atemwegskomplikationen, allergische Reaktionen oder Intensivtransporte schwerkranker Kinder trainiert werden. Häufig werden auch Wiederbelebungen, Unfallverletzungen oder der Transport im Inkubator dargestellt.

Ausgefeilte Audio-Video-Technik und professionelle Analyse

Kameras filmen die jeweils ca. 15-20 minütigen Simulatorsequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven und verschiedene Mikrofone nehmen die wichtige Kommunikation im Team auf. In den videounterstützten Nachbesprechungen können die Teilnehmer ihr Verhalten am Patienten selbst überprüfen und auch den Kollegen über die Schulter schauen. „Diese moderierten Debriefings führen über das selbstreflektierte Lernen zu einer permanenten Optimierung der Patientensicherheit.“ so Dr. Rudolph

„Wir analysieren insbesondere die Kommunikation, aber auch die Koordination im Team. Die teilnehmenden Notärzte und Notfallsanitäter sind in den Trainingssituationen hier immer wieder aufs Neue gefordert und müssen sich spontan auf unvorhergesehene Zwischenfällen einstellen, wie im realen Einsatzalltag auch“, berichtet Dr. Marcus Rudolph. „Dies fördert die dynamische Entscheidungsfindung und hilft, die Situation immer wieder neu zu evaluieren. Neben den ‚Human Factors‘ fließen in den Trainings auch die aktuellen medizinischen Leitlinien ein. Auf diese Weise werden die Teams immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft gehalten.“

Lebensechte High-Tech-Puppen

Seit den Anfängen vor 14 Jahren hat die DRF Luftrettung immer wieder neu entwickelte, hochmoderne Simulatorpuppen bei den Trainings eingesetzt. Zusätzlich zu den schon länger darstellbaren Symptomen, wie Herz- und Atemgeräuschen, stehen bei den Puppen der neuesten Generation zahlreiche neue Funktionen, z.B. Pupillenveränderungen oder das Fühlen des Pulses an allen relevanten Stellen, zur Verfügung.

Kabellose Kommunikation

Eine Besonderheit der High-Tech-Puppen besteht unter anderem auch darin, dass sie kabellos funktionieren und dadurch mobil einsetzbar sind. So lassen sich komplexe Notfallszenarien und insbesondere Patiententransporte inszenieren. Es kann z.B. die Umlagerung eines schwerverletzten Patienten vom Rettungswagen in den Hubschrauber geübt werden oder die Übernahme eines Patienten durch die Hubschrauberbesatzung der DRF Luftrettung von der Intensivstation einer Klinik. Der Simulator kann auch in komplexen Rettungssituationen eingesetzt werden, die Teams können z.B. die Rettung der Puppe aus einem verunfallten LKW üben.

*Stand: November 2018